Entwicklung, Sinn und Menschwerdung in der zweiten Lebenshälfte
Psychotherapeutische Begleitung im Alter – auch angesichts von Verlust, Krankheit und Endlichkeit
Altwerden als menschlicher Entwicklungsprozess
Ich biete psychotherapeutische Begleitung und Psychotherapie im Alter in Wien für Menschen an, die sich mit den Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten der zweiten Lebenshälfte auseinandersetzen möchten.
Das Altern betrifft uns alle – und beschäftigt uns auf unterschiedliche Art und Weise. Auch wenn ich Ihnen als jüngere Person gegenüberstehe und Erfahrungen wie die Ihren nicht selbst gemacht habe, bin ich als Mensch in denselben Lebensprozess verwoben.
Seit mittlerweile acht Jahren begleite ich klinisch-psychologisch ältere und hochbetagte Menschen im Fonds Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser. Dabei durfte ich Einblicke in sehr unterschiedliche Lebensgeschichten und Lebensrealitäten gewinnen und erleben, wie Menschen – selbst unter schwierigsten Bedingungen – nach Sinn, Verbundenheit und Würde streben.
Diese Arbeit ist für mich täglich eine Lehre in Behutsamkeit, Sensibilität, Menschlichkeit und Demut.
Es ist mir ein großes Anliegen, die Erlebenswelten älterer Menschen gemeinsam mit ihnen zu erforschen und ihnen als Mensch und Psychotherapeutin in dieser Lebensphase zur Seite zu stehen.
Welche Fragen bringt das Alter mit sich?
Das Alter konfrontiert viele Menschen mit Veränderungen, die das eigene Selbstverständnis tief berühren. Manche Entwicklungen kommen schleichend, andere treten plötzlich ins Leben.
Dabei können Themen bedeutsam werden wie:
- Einsamkeit und Veränderungen der psychosozialen Situation
- Krankheit und Einschränkungen auf körperlicher und seelischer Ebene
- Verluste und Abschiede
- Fragen nach Sinn und Würde
- Hilflosigkeit und Abhängigkeit
Auch die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod rückt für viele Menschen stärker ins Bewusstsein.
Ich habe viele ältere Menschen im Gespräch sagen hören:
„Man soll nicht alt werden.“
In diesem Satz spüre ich die Erschütterung einer Persönlichkeit, die mit dem eigenen Altern konfrontiert wird. Manchmal antworte ich behutsam und mit etwas Humor:
„Altwerden ist nichts für Feiglinge.“
Denn es braucht Mut, sich diesen Themen zuzuwenden, sich auch in dieser Lebensphase anzunehmen und der Beschäftigung mit dem Alterungsprozess einen Platz im eigenen Leben zu geben.
Was geschieht, wenn Verluste das Leben verändern?
Trauer gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen des Menschseins. Im Alter begegnen uns Verluste oft häufiger und in dichterer Folge als in früheren Lebensphasen.
Vertraute Menschen oder Tiere sterben. Der eigene Körper verändert sich. Fähigkeiten gehen verloren. Manchmal muss das eigene Zuhause aufgegeben oder langjährige Gewohnheiten verändert werden.
Trauer zeigt sich dabei auf unterschiedliche Weise. Manche Menschen erleben intensive Gefühle. Andere spüren vor allem Leere, Rückzug oder Erschöpfung.
Trauer ist keine Krankheit. Sie ist eine menschliche Antwort auf den Verlust von jemandem oder etwas, das uns sehr wichtig war.
In der Psychotherapie bekommt Trauer ihren Platz und ihre Zeit. Wir tragen sie gemeinsam und versuchen, ihr Ausdruck zu verleihen und ihre Bedeutung für die eigene Lebensgeschichte zu verstehen.
Manchmal entsteht aus einem betrauerten Verlust langsam wieder Raum für Neues, das Sinn trägt. Nicht als Ersatz für das Verlorene, sondern als Ausdruck der fortdauernden Lebendigkeit des eigenen Lebens.
Kann die zweite Lebenshälfte auch eine Zeit der Entwicklung sein?
Die zweite Lebenshälfte ist nicht nur eine Zeit der Verluste. Sie kann auch eine Zeit der Vertiefung sein.
Viele äußere Aufgaben treten nach und nach in den Hintergrund. Dadurch entsteht Raum für Fragen, die früher oft wenig Platz hatten.
- Wer bin ich geworden?
- Was war und ist mir wirklich wichtig?
- Was trägt mich heute?
- Was möchte sich in mir noch entfalten?
Der Psychiater und Psychotherapeut C. G. Jung maß dieser Lebensphase eine besondere Bedeutung bei. Er verstand Entwicklung nicht als etwas, das in jungen Jahren abgeschlossen ist, sondern als lebenslangen Prozess.
Aus Sicht der analytischen Psychologie können gerade Krisen und Verluste Entwicklungsprozesse anstoßen, die uns mit bisher unbekannten Seiten unserer Persönlichkeit in Kontakt bringen.
Auch im hohen Alter können innere Reifung, Versöhnung und persönliches Wachstum möglich sein.
Was geschieht, wenn vertraute Rollen nicht mehr tragen?
Im Laufe des Lebens entwickeln wir ein Bild von uns selbst. Wir wissen, was wir können, wie wir für andere da sind und welche Aufgaben uns erfüllen.
Im Alter gerät dieses Selbstverständnis häufig unter großen Druck.
- Wer bin ich, wenn ich nicht mehr so leistungsfähig bin wie früher?
- Wer bin ich, wenn ich Unterstützung brauche?
- Was bleibt von mir, wenn vieles wegfällt, das mich lange getragen hat?
Diese Fragen können Verzweiflung, Ohnmacht oder Hoffnungslosigkeit auslösen. In Zeiten des inneren Umbruchs werden zudem alte Wunden, verdrängte Erfahrungen oder ungelöste Konflikte oft wieder spürbar.
Solche Phasen können sich dunkel und schwer anfühlen. Viele Menschen erleben sich dann als erschöpft, eingeengt oder innerlich verunsichert. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen verlangt der Psyche oft viel ab.
Hier kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein und mitunter vorbeugend wirken, damit sich aus Belastungen keine Depression entwickelt. Denn Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung und sollte nicht als normaler Bestandteil des Alterns hingenommen werden.
Denn in der Psychotherapie lautet die Frage nicht nur, was verloren geht, sondern auch, was sich zeigen möchte und kann.
In der Lebensgeschichte eines Menschen liegen nicht nur Verletzungen verborgen, sondern auch tragende Erfahrungen, Ressourcen und Würde. Das innere Leben ist voller Gefühle, die – wenn ihnen zugehört wird – den Weg zu einer neuen Begegnung mit uns selbst weisen können.
Psychotherapie kann dabei helfen, diese inneren Reichtümer wiederzuentdecken und sich selbst mit mehr Verständnis und Mitgefühl zu begegnen.
Wie kann Psychotherapie im Alter unterstützen?
Im Zentrum meiner Arbeit steht die therapeutische Beziehung.
Gerade im Alter kann es bedeutsam sein, einen geschützten Raum zu haben, in dem schwierige Gefühle, Ängste und Gedanken ausgesprochen werden dürfen – ohne bewertet oder vorschnell beruhigt zu werden.
Meine Arbeitsweise verbindet psychologische und psychotherapeutische Wissenschaft mit den Zugängen der tiefenpsychologischen und analytischen Psychologie nach C. G. Jung.
Diese Perspektive versteht seelisches Leiden nicht als Defizit. Sie versucht zu verstehen, was sich in einer Krise, einem Symptom oder einem Rückzug ausdrücken möchte.
Manche depressive Entwicklungen zeigen sich im Alter vor allem körperlich und werden deshalb leicht übersehen oder als normaler Bestandteil des Alterns verstanden.
Auch im Alter bleibt das Bedürfnis nach Verbundenheit, Sinn, psychischem Wohlbefinden und Lebensqualität bestehen.
Psychotherapie kann helfen:
- Verluste besser zu bewältigen
- Trauer zu durchstehen
- Einsamkeit zu begegnen
- depressive Verstimmungen zu verstehen
- Freude und die Vielfalt der Gefühle wieder zu spüren
- neue Orientierung zu finden
- innere Ressourcen zu stärken
- in einen konstruktiven Dialog mit Angehörigen zu treten
Wann kann psychotherapeutische Begleitung besonders hilfreich sein?
Psychotherapie muss nicht erst beginnen, wenn die Belastung sehr groß oder zu groß geworden ist, um alleine einen Umgang damit zu finden.
Ein Beginn vor oder im Zuge wichtiger Übergangsphasen kann hilfreich sein, um Entscheidungsprozesse zu begleiten und krisenhaften Entwicklungen vorzubeugen oder diese abzumildern.
Beispielsweise:
- vor der Pensionierung
- nach einem Krankenhausaufenthalt
- bei zunehmender Pflegebedürftigkeit
- vor einem Wohnortwechsel
- gemeinsam mit Angehörigen
Solche Übergänge bringen häufig Unsicherheit, Angst oder Trauer mit sich. Gleichzeitig können sie neue Entwicklungsprozesse anstoßen.
Psychotherapie im Alter in Wien – mein Angebot
Ich biete psychotherapeutische Unterstützung für alternde, ältere und alte Menschen an.
Mein psychotherapeutisches Setting gestalte ich möglichst flexibel und achtsam, um auf individuelle Bedürfnisse und eventuelle Einschränkungen eingehen zu können.
Die zentral gelegene Praxis im 4. Wiener Bezirk ist mit einem Lift erreichbar. Es müssen lediglich vier Stufen bewältigt werden. Selbstverständlich unterstütze ich Sie dabei gerne, wenn dies erforderlich ist.
Wenn Sie es wünschen, können Angehörige oder nahestehende Menschen Erstgesprächen beiwohnen oder zu ausgewählten Sitzungen eingeladen werden.
In einem Erstgespräch lernen wir uns kennen und klären Ihr Anliegen, Ihre Fragen und Sorgen. Gemeinsam entscheiden wir, ob wir eine Zusammenarbeit beginnen möchten.
Kontaktieren Sie mich gerne für ein Erstgespräch.